PICNIC AT HANGING ROCK

Manchmal tauchen wunderbare Überraschungen auf, Filme, Musik, Menschen, die die ganze Zeit schon da waren, und mit denen man einfach nicht in Berührung gekommen ist und ich wundere mich dann immer, wie die eigene Weltwahrnehmung funktioniert. Wie man Jahre leben konnte, mit den Interessen, die man hat, mit der Recherche, die man betreibt, mit den Bars in die man geht, und dann kommt plötzlich von ganz woanders etwas, von dem man total geplättet ist, weil es so unfassbar nah an einem weiteren Puzzelstück der blauen Blume ist, hinter der man sein Leben lang herjagt und die ganze Zeit schon in der Welt war, obwohl man immer mal wieder glaubt, da wäre nun nichts mehr außer dem Alltag und den alten Lieben…
Und ich glaube, mich hat es zum Glück mal wieder getroffen. Und zwar in Form eines über 30 Jahre alten Films von Peter Weir namens Picnic at hanging Rock, den alle außer mir schon lange kannten und der für viele keine so große Rolle spielt. Tina hatte den Film während der Aufbauarbeiten für die ART Cologne in Ringenberg dabei und Bernd hat mich drauf gebracht, daß “der FiIm doch eigentlich was für Dich sein könnte.” Aber Hallo!
Ich bin jetzt seit Wochen total geplättet und sauge jede noch so kleine Information auf, interessiere mich plötzlich brennend für Panflötenmusik, habe das in Deutschland lang vergriffene Buch von Joan Lindsay aus dem Jahr 1967 in einem Zug gefressen und auch das legendäre letzte, posthum veröffentlichte Kapitel gelesen. Ich müsste eigentlich restlos bedient sein.
Doch es bleibt weiterhin etwas erhalten, trotz all dieser Recherche, etwas schwebendes, verzaubertes, angenehm melancholisches, daß der Film in mir angeschlagen hat und ihn schlagartig direkt neben Blade Runner an die Spitze meiner Lieblingsfilme katapultiert hat.
Die Geschichte ist schnell erzählt:

“Am Valentinstag 1900 verschwinden auf mysteriöse Weise drei junge Mädchen und die Lehrerin Miss McCraw bei dem Ausflug eines Mädcheninternats zum Hanging Rock, rund 70 km nördlich von Melbourne, im australischen Bundesstaat Victoria. Mehrere Suchaktionen verlaufen ohne Ergebnis. Schließlich wird eines der drei Mädchen gefunden, kann sich aber an nichts erinnern, was ihr die anderen Schülerinnen aber nicht glauben. Sara, die bei dem Ausflug nicht dabei sein durfte, hält Miranda, eines der verschwundenen Mädchen, für eine Prophetin und liebt sie abgöttisch. Sie glaubt an ein übernatürliches Verschwinden. Diese Vorfälle sind der Ausgangspunkt für den Niedergang der Mädchenschule. Eltern melden ihre Mädchen ab, die Direktorin verfällt dem Alkohol und schickt Sara, deren Schulgeld seit langem überfällig ist, zurück ins Waisenhaus. Sara stürzt sich daraufhin vom Dach in den Tod. Mrs Appleyard, die Direktorin wird wenige Wochen später tot vor dem Hanging Rock gefunden. Vermutlich ist sie beim Ersteigen des Felsen abgestürzt. “(Quelle:Wikipedia)

Was sich nicht so recht beschreiben lässt, ist die fast schlafwandlerische, schwebende Atmosphäre des Films, die für mich tatsächlich in manchen Stimmungen Blade Runner evoziert. Dabei gehts kaum verschiedener, der eine Film spielt im Jahr 2019, der ander 1900, der eine ein verregneter SciFi Film Noir, der andere ein Mysteryfilm in gleissender Sommersonne, und doch agieren die Hauptfiguren in “Picnic” in meinen Augen manchmal wie Replikanten, seltsam enthoben, elegant und otherworldly.
Und natürlich wird meine Liebe zum 19. Jahrhundert mehr als bedient!
Hier die Anfangssequenz:


und hier weitere 10 Minuten (inclusive des Verschwindens der Mädchen)

This entry was posted on Friday, May 8th, 2009 at 0:32 and is filed under LOVES, RESEARCH.

8 Responses to “PICNIC AT HANGING ROCK”

  1. Dirk Lange Says:

    Kürzlich habe ich irgendwo gelesen, dass der Regisseur den Film nach über zwanzig Jahren noch einmal umgeschnitten hat – wodurch sich der Film, nach Meinung des Verfassers, deutlich verschlechtert hat. Ich kenne selbst wahrscheinlich noch die alte Version, denn es ist sicher mindestens 15 Jahre her, dass ich den Film gesehen habe und er hat mich damals auch sehr beeindruckt, ja, in gewisser Hinsicht zum Guten hin traumatisiert.
    Dass nach über zwanzig Jahren die Unzufriedenheit des Regisseurs so groß war, dass er einen eigentlich schon in Vergessenheit geratenen Film dann noch einmal neu schneiden musste, macht die ganze Sache natürlich noch mysteriöser. Hast du die alte Version oder die neue gesehen oder kennst du vielleicht inzwischen sogar beide Versionen im Vergleich? Hast du irgendwas darüber in Erfahrung bringen können, warum er den Film umgeschnitten hat?

  2. Administrator Says:

    Hey Dirk!
    Ja die neue Version ist lustigerweise über 7 Minuten kürzer als das Original, was ja bei “Directors Cuts” eigentlich ausgesprochen unüblich ist..
    Peter Weir hat etliche Szenen rausgenommen, von denen er dachte, sie bremsen den Film. Hauptsächlich sind das kurze Dialogszenen und ein paar Zwischenbilder, krass geändert ist nur der Schluss. In der neuen Version ist er noch offener als in der alten Version, in der man Mrs Appleyard zum Rock laufen sieht die dort auf die eigentlich tote Sarah trifft. Diese Szene ist jetzt weg und wird durch eine “neutrale” aus dem Off gelesene Zeitungsmeldung ersetzt. Ich finds eigentlich ganz gut, weil es alles noch offener lässt, aber ich hab den FIlm auch so zum ersten mal gesehen.. Hier gibts die Cut-Scenes als Zusammenschnitt:
    http://www.youtube.com/watch?v=JHX4B_mxlB0

    Liebe Grüße
    CLaus

  3. Dirk Lange Says:

    Hallo Claus,
    vielen Dank für den Link – kam jetzt endlich dazu, mir den Film noch mal anzusehen und da sich meine fragmentarischen Erinnerungen sowieso größtenteils auf den ersten Abschnitt (bis zum Verschwinden) beschränkten und davon ja glücklicherweise nichts in der neuen Version fehlt, bin ich auch ganz zufrieden damit. Ich finds nach vielen Jahren immer noch ein sehr tolles Ding.
    Na, ich hoffe mal, ich bin irgendwann in Köln während deiner Ausstellung – würde gerne sehen, was du daraus machst!

    Viele Grüße,
    Dirk

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