Crépuscule revisited
Es ist schon erstaunlich, wie einen Musik durchs Leben begleitet, immer mal wieder abtaucht, dann plötzlich wieder neu interessant wird usw.
Das Label, welches mich nun schon am längsten begleitet ist das belgische 80er-Jahre artsy-Label Les disques du Crépuscule.
Nachdem ich einen guten Ausstellungsaufbau im Mousonturn (Fotos bald) hatte und gestern in Düsseldorf im Salon des Amateurs bei der Plattenpräsentation von Daniel Müller-Friedrichsen viel Spaß hatte und ein herrliches Remake von Jack Smiths´Flaming Creatures sehen durfte, sitze ich nun hier im herrlichen Schloss und tippe eine englische Version meiner vor geraumer Zeit auf der herrlichen Bir-Ne-Seite veröffentlichten Slashgeschichte zwischen dem jungen Brian Eno und Deckard aus Blade Runner. Dabei schaue ich aus dem Fenster und sehe zum Beispiel das:

und das ist sehr Crépuscule! Also unterbreche ich meine Übersetzung und surfe so herum im Netz und freue mich, daß ich gestern in Düsseldorf auch Oliver Tepel getroffen habe, den einzigen weiteren die-hard Crépuscule-Fan, den ich hiermit herzlich grüße und dann gibt es mal wieder viel zu entdecken, zum Beispiel die herrliche New Wave Photos-Seite von Philippe Carly, der damals im 80er-Jahre Brüssel (dem Standort der Crépuscule-Headquaters) viele viele tolle Konzertfotos gemacht hat, eben auch im legendären Plan K Club, in dem viele Crépuscule-Acts aufgetreten sind. Und irgendwie gelange ich zum Not Rock On-Blog, auf dem es gerade nicht nur alle Anna Domino-Platten inclusive einem Live-Konzert in Hamburg zum Download gibt, sondern auch die rare “Coincidence vs. Fate” Crépuscule Compilation für den japanischen Markt.
Und dann erinnere ich mich an den grandiosen Richard Jobson, den ehemaligen “Skids”-Frontmann, der bei Crépuscule äußerst eigensinnige Spoken-Word Platten (hauptsächlich mit Marguerite Duras-Begeisterungstexten) herausgebracht hat, und denke: Was macht wohl Richard Jobson heute?
Und siehe da: Er ist Filmemacher geworden, und kleidet sich löblicherweise immer noch sehr ausgewählt in Tweed-Dreiteilern.
Über mein Über-Über-Idol Benoit Hennebert, der all die fantastischen Crépuscule-Cover entworfen hat, gibt es leider immer noch keine weiterführende Information, ich werde aber bald mit Daniel nach Brüssel fahren um dort Michael Callies und seine fantastischen Dependance zu besuchen, und dann geht Sherlock auf die Suche nach Benoit Hennebert.
Hier noch ein bisschen Videofutter, yours Sherlock
Paul Haig_ Running Away
Soft Verdict (Wim Mertens)- Close Cover
Anna Domino- Land of my Dreams
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Mai 5th, 2007 at 16:02
kennst du eigentlich den “king of luxemburg”, der seinerzeit auf dem mittlerweile etwas heruntergekommenen el-label so wunderbare platten wie “royal bastard” veröffentlicht hat? hinter dem “king” verbirgt sich simon fisher turner, der später u.a. den soundtrack zu “caravaggio” gemacht hat.
Mai 11th, 2007 at 12:54
Dearest r.b.,
ja den King of Luxemburg kenne ich und tollerweise habe ich auch Turners tollen Caravaggio-Soundtrack auf Platte, lang nicht mehr gehört allerdings. Bei él kenne ich mich nicht so aus, bin aber sehr neugierig. Habe jetzt die legendary B-Sides gehört, und das hat mir gut gefallen.
xxx
c
Mai 22nd, 2007 at 23:35
Ich glaube es war so: Michael Alway von Cherry Red wollte mit Michel von Crépuscule ein stylisches Indie-Superlabel basteln, welches dann Blanco y Negro genannt wurde und mit Everything But The Girl auch einiges einspielte. Aber der Labelpartner Warner Brothers begann sich im Angesicht diverser weit weniger erfolgreicher Veröffentlichungen einzumischen. Alway nahm sein Geld und ging - um él zu gründen. Anfangs hieß das Label gar “él benelux” als Anspielung auf Factory Benelux, einer Kollaboration von Crépuscule und Factory Records. Er schnappte sich Louis Philippe, den man bei Crépuscule nach seinem Border Boys Projekt ziemlich hatte hängen lassen und sammelte noch weitere Talente (oft aus dem Cherry Red Umfeld). Bald fungierten Philippe und Simon Fisher Turner als Hauskomponisten und der junge Momus mühte sich an beide anzuschließen. The Monochrome Set spielten die Label-Backingband, ab und an übernahmen auch die Go Betweens diese Rolle. Letztlich taugen él und Crépuscule zu einem Vergleich über britische und belgische Entwürfe aus Eleganz, Eskapismus und dissidenter Politik. Da escheint él dann sowohl kautziger, absurd humoristischer als auch greifbarer innerhalb des Pop-Kontextes, Crépuscule wiederum deutlich politisierter! Dementsprechend bezogen sich ab den 90ern diverse Schrammel-Gittarrenpopbands weltweit auf él aber fast nie irgendwelche Musiker auf Crépuscule. Allerdings meinten jene bands nie das él von “Appointment with Venus” oder “Caravaggio 1600″. Diese LP’s, das Debutalbum von Anthony Adverse und die erste, wundervoll gestaltete, 7″-Serie des Labels halte ich in bester Erinnerung.
Und über Simon Fisher Turner könnte ich dann noch ausgiebig schwärmen! Eine Van Dyke Parks Type.
Mai 24th, 2007 at 18:44
sauber, das nenne ich fachkompetenz. respekt!!!
Mai 24th, 2007 at 18:44
bei welchem musikmagazin schreiben sie, werter o.t.?
Mai 24th, 2007 at 18:45
ich werde sofort abonnent
Mai 25th, 2007 at 13:49
Huhu O.T. Ich finde auch: wow, ich möchte auch abonnieren und Kaffee trinken und Van Dyke Parks dabei hören! Merci! Claus
Juni 25th, 2007 at 23:23
Ein arg verspäteter Dank für de netten Anmerkungen. Vielleicht gibt es ja beizeiten eine Zugabe im “Organdy”, zumindest zu Simon Fisher Turner.
Hier zu ihm auch noch ein kleiner Nachtrag, da ich gerade bemerkte, daß dieses leider völlig übersehene 7″ Ding weiterhin zu bekommen ist:
http://www.felicite.de/cite05/cite05.html
Very sweet.