ISTANBUL 02 Die Association for Cultural Studies Crossroads Conference

Die Association for Cultural Studies, dem internationale Verband von Wissenschaftlern und anderen Akteuren der Cultural Studies deren stolzes Mitglied ich seit diesem Jahr bin, hat 2006 ihre große Conference an der Bilgi University in Istanbul abgehalten (vom 20. bis zum 23. Juli 2006), und das war ja auch der eigentliche Grund meiner Reise nach Istanbul.
Ich arbeite seit einiger Zeit an einer Dissertation bei Rainer Winter, der mich dann auch als Teilnehmer zu seinem Panel “The Meaning of Fashion as a Cultural Phenomena” eingeladen hat, worüber ich mich heute noch extrem freue!!
Crossroads 2006 war meine erste wissenschaftliche Konferenz, und ich war wirklich hin und weg.
Ich kenne ja nun eher das Kunst-Umfeld, und war baff erstaunt, wie offen und neugierig forschende Menschen hier miteinander umgingen. Künstler in großen Haufen (Kunstmesse, Eröffnung, Kunstpanels) agieren eher angespannt und leicht nervös. Ein bisschen wie so viele Jungs in Gay Bars, die alle heimlich zur Tür lugen, wenn jemand reinkommt, dann aber schnell wieder ihr Glas oder eine Wand oder ihre Freunde anschauen. Starke Bühnensituation.
Auf der Konferenz ist mir hingegen sofort aufgefallen, wie schnell man mit vielen (sehr netten) Menschen ins Gespräch kommt, sich tatsächlich austauscht, und dann am Ende zusammen Boot fährt, Essen geht und Panels besucht. Das war fantastisch!
Ich hatte zudem auch das Glück, von meinen Panel-Organisatoren Rainer und Elisabeth mit großem Vertrauen und Offenheit in eine Welt eingebunden zu werden, die ich ja nun wirklich eher durch den Seiteneingang betrete. Auch dafür nochmal allerherzlichsten Dank, Ich habe mich sehr gut aufgehoben und pudelwohl gefühlt.

Zu so einer Konferenz gehört erst einmal ein Buch mit knapp 500 Seiten, das bis zur letzten Seite angefüllt ist mit “Abstracts”, also Kurzzusammenfassungen der einzelnen Vorträge, die man dort besuchen kann.
Dieses Buch schleppt man die ganzen drei Tage mit sich herum, kreuzt an, streicht durch, sucht nach Raumnummern, bespricht sich mit anderen, es ist quasi der Stadtplan der Gesamttheorie, voller kleiner Dörfer, Museen, Bars und Parks.
Der Tag ist unterteilt in ein morgendliches Großpanel, zu dem alle kommen (wenn sie schon wach sind), gefolgt von hunderten von parallel stattfindenden kleinen Panels, jeweils zu festen Zeiten am Morgen, Mittag und Nachmittag.
Die gesamte organisatorische Struktur hat mich pikanterweise sehr an die Star Wars Celebration III in Indianapolis erinnert, die ich letztes Jahr besucht habe, eine Fan-organisierte Veranstaltung mit Special-Effects Panels, Kostümpanels, Fan-Panels, etc…
Toll, nun an einer Konferenz teilzunehmen, die eben genau solche Phänomene wie die Star Wars Celebration wissenschaftlich verhandelt, und sich dabe aber logischerweise identischer Organisationsstrukturen bedient. Die Schale ist gleich, der Inhalt anders. Köstlich,Delikat, und genau richtig.

Es gab dann so interessante Panels wie “Constructing the Exotic in Popular Culture”, oder “Collective memory : Exhibitions, Museums”, “Film, Fiction, Identity” oder auch “Discourse, Meaning, Narrative”. Jedes dieser Panel hosted dann wieder ca. 4 oder 5 Einzelvorträge, man wird ganz kirre vor lauter Angeboten.
Ich habe sehr viele Panels besucht und war eigentlich nie enttäuscht. Selbst wenn mal die Vorträge spröde oder selbstverliebt waren, hat man irgendwie immer was dazugelernt.
Mein Kollege Christoph Jacke hat im selben Hotel gewohnt, und wir kannten uns schon aus Klagenfurt, und so haben wir eigentlich die ganze Konferenz und etliche Panels gemeinsam unsicher gemacht, was total super war, und uns als Freunde wieder aus dem Theorietreffen entlassen hat. Herzliche Grüße!

So, jetzt aber zu den Fotos:
(alle wie immer vergrößerbar durch anklicken)
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Rainer Winter hält die Einführung in unser Panel, im Hintergrund die zwei Eröffnungsredner Elisabeth Niederer und Christoph Jacke

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Christoph präsentiert “Fashion and Anti Fashion: On Progressive Paradoxies in Media Culture Studies”

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Elisabeth präsentiert “Get a closer Look. An Interdisciplinary Analysis of Fashion as a Social Force”

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Marie Nordberg präsentiert “Add a Masculine Touch! Fashion and Constructuions of Men, Masculinity, Heteronormativity and Ethnicity in Hairdressing”

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Katharina Klingseis präsentiert “The Subject´s Costume”

Von meinem Vortag gibt es keine Fotos, denn ich war ja mit Vortragen beschäftigt:
Hier dafür ein lustig wackeliges Foto von mir aus der Pause zwischen unseren Panels:
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Der Titel meines Vortrags lautete “Fictional Patterns: How Fans Recreate the Form and Alter the Function of Movie Character Costumes”
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So sieht die Bilgi University von Außen aus. Eine riesige Sicherheitstrutzburg gegen das sie umgebende Armenviertel. All inclusive: Doormen, Sicherheitscheck. Uff.
2 unserer Kollegen sind dann wirklich ums Eck überfallen worden, aber ehrlich gesagt kann man das ja gut nachvollziehen, daß man Touris mit teuren Digicams und den Taschen (vergleichsweise) voller Geld ein bisschen erleichtert, wenn man selber unter dieser wirklich bestürzenden Not leidet, die dort um die Uni herum mehr als sichtbar wird.
Das Ganze kommt einem vor, wie eine recht dystopische Vison der Zukunft, überhaupt finde ich Istanbul wahnsinnig modern, eben genau in den Kontrasten, und eben auch mit allen Vor und Nachteilen und allen dementsprechenden Reibungen.
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Meet and Greet im (sicheren) Gartenhof der Uni

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Morgenpanel: David Scott von der Columbia University präsentiert “The Bitter harvest of Independence: Thinking Sovereignty Through”
David Scott hat einer der mildesten und schönsten Stimmen, die ich je gehört habe, es war geradezu ein Genuss.

Einer meiner Lieblingsvorträge war Ghassan Hage´s “Surrounded by a Sea of Barbarism: On the Globalisation of the Colonial-Settler Ethos”
Ghassan Hage hat auch im Morning Panel gesprochen und zwar frei und dabei sehr eloquent und unterhaltsam ein eigentlich ja sehr komplexes Feld vermittelt. Das hat mir gut gefallen, eine breite Zugänglichkeit ohne platt zu werden, das ist echt sehr schwer und er hat das wahnsinnig gut und humorvoll vermittelt.

Wirklich spitze war auch das Panel ” Media Development and Cultural Studies” mit Maren Hartman, Judith Lehmann und Sven Jöckel, die ich hiermit auch nochmal herzlich Grüße!
Unsere gemeinsame Bootsfahrt gibt es im nächsten Teil zu bewundern..

Ende von Teil 2 des nachträglichen Istanbul-Berichts
xxx
Sherlock

This entry was posted on Samstag, Oktober 7th, 2006 at 14:04 and is filed under TEXTS, RESEARCH.

3 Responses to “ISTANBUL 02 Die Association for Cultural Studies Crossroads Conference”

  1. h. aus f. Says:

    den vortrag über männlichkeit in frisuren hätte ich gern gehört. gab es ein handout dazu?

  2. Administrator Says:

    Lieber h. aus f.!
    Der Vortrag war sehr interessant, es gab wahnsinnig viele Bilder, aber leider kein handout. im endeffekt ging es darum, daß kurze haare immer noch mit männlichkeit in verbindung gebracht werden, und marie nordberg hat dazu unglaublich viele friseursalons untersucht, und feldstudien betrieben, wie die friseure das beigebracht kriegen, und an die kunden weitergeben…
    lange haare wurden in vielen ländern immer noch als schwule frisur angesehen, was mich zu dem kommentar verleitet hat, daß ja lustigerweise die lieblingsfrisur in den gay bars die glatze oder der rasierte kopf ist, worüber auch frau nordberg schmunzeln musste…
    xxx
    c

  3. h. aus f. Says:

    die schwulen sind ja schon seit einiger zeit ein indikator für das, was als besonders männlich gilt. die schaffen es ja, die “heterosten” styles aufzugreifen und für sich zu erobern - skins, soldaten, polizei, handwerker, cowboy - man schaue sich jede beliebige pride parade an. und alle habe kurze haare - interessant.
    seltsam aber, dass sogen. macho-kulturen (z.b. südeuropäische) verhältnismäßig viele langhaarige männer hervorbringen. die ausnahme zur regel?

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