Sherlock Richter auf Kunsttour

Hallo liebe Leser!
Ich bin ein bisschen weg gewesen, wegen meines Aufbaujobs im Frankfurter Kunstverein. Der geht nächste Woche noch weiter, deshalb poste ich jetzt am freien Sonntag einfach mal einen ganzen Batzen Zeug, und verschwinde dann wieder eine Woche zwischen Kreissägen und Schraubzwingen.
A propos Kunstverein: Frankfurt war ja Austragungsort der “High & Low” Kunstmesse, ein neuer Anlauf, die leider bis dato wirklich komplett unrelevante Frankfurter Kunstmesse mit Hau-Ruck ins Interesse der Crowd zu rücken. Deshalb hat Michael Neff sich überlegen dürfen, wie denn so eine richtig schicke Kunstmesse aussehen könnte, und das fand ich eine gute Idee, den Michael Neff hat glaub ich wirklich den obsessiven Drang es der ganzen Welt zu zeigen, und so jemand ist ja vielleicht ganz gut für den Job. Ein unverholener und irgendwie lustiger Größenwahn und die Idee, der allerbeste, allercoolste, mit allen Wassern gewaschene zu sein, gepaart mit einer unprotestantischen 80er- Jahre- Luxusidee von Kunst, bei der sich jedem Sozio-Konzeptualisten der Magen umdreht sind doch vielleicht interessante Grundlagen für so ein Projekt.
Die Kunstmesse war dann leider eine Enttäuschung für mich. Um die am allerletzen Ende der Messe gelegene Halle zu erreichen mußte der nach hedonistischer Ware strebende Kunstinteressierte erstmal ungefähr 20 Minuten über stllistehende Rollbänder durch triste Messegänge traben. Keine schicken Buggys, keine feschen Busse, eben sogar keine Rollbänder, trab trab trab. Wer glotzen will muß traben. Die eigentliche Messe wurde von allen meinen Freunden und Feinden wegen ihrer totalen Weitläufigkeit und Luftigkeit gelobt und gepriesen, aber ich muß da zickig aus der Reihe treten und bemerken: Eine weitläufige und luftige Messe ist mir langweilig, ich mag enge und vollgestopfte Messen. Auf der High & Low flanierte man zwischen den Kojen mit Einzelpräsentationen etablierter Jungkünstler herum, pro Koje eben nur ein Künstler, und das ist so ziemlich das langweiligste Messekonzept daß ich mir vorstellen kann. Man kriegt den Flyer zur Messe und da steht dann: Es sind diesmal echt wenige Galerien, die jede nur einen Künstler präsentieren, und die Künstler sind folgende:…. Und dann geht man da hin und es gibt so halt überhaupt keine Überraschung, keine Entdeckung, alles ist total wasserdicht, aber eben dadurch auch tot. Wie geht es denn den Käufern mit so einem Konzept? Die wollen doch immer was neues Entdecken, oder? Vielleicht ist ihnen das ja inzwischen auch egal, Die Messe als Concept-Store mit vorausgewählten solide stilsicheren Positionen, I say Gähn.
Im Umfeld der Messe gab es dann natürlich auch einige Eröffnungen, und auch da habe ich mich getummelt, hier also nun eine kleine Fotostrecke über Sherlock Richters Tour. (alle Fotos kann man zum Vergrössern anklicken)

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Der lange Weg zur Kunstmesse

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Über diesen Schokobrunnen hat Sabs mir einen lustigen Augenzeugenbericht gegeben : Ein Kind hat gierig von der flüssigen Schokolade genascht, und stand dann 10 Minuten später kotzend neben dem Stand. Lustige Kunstmessenwelt.

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Jonathan Meese und Tal R haben dieses pinke Schloß gebaut (bauen lassen wahrscheinlicher), ich mußte schlucken, denn um mal was zu verraten: Ich baue im Mai auch ein Schloß, allerdings rot und aus Stoff, aber mehr sei noch nicht verraten….

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Im Schloß: Pretty Totenkopfapplikationen

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Meine Freunde und auch ich mochten dieses Objekt aus Holz und Kronkorken (auch Tal R und Meese).

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Die wirklich sehr lustige Arbeit von Adrian Williams: Ein großes Nagetier, daß über den Rand der Koje schaut und da herumwandelt. Später hat Adrian mir erzählt, daß man auch mit dem Tier hätte reden können, aber ich mag keine Interaktionen, mir hat das Anschauen einfach schon Spaß gemacht.

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Sanra Kranichs wunderbare Feuerwerksarbeit, Sandra ist ausgebildete Feuerwerkerin, und ich will saugerne mal mit ihr arbeiten. Ihre Feuerwerke sind sehr speziell, manchmal verrecken sie extra fast auf halber Strecke, manchmal wechseln totale Pracht mit knisterigem Minimalismus. Sandra Go!

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Gelatin heissen seit 2005 lustigerweise Gelitin und machen immer noch basteligen irren Materialschlachtwahnsinn. Es geht halt immer mehr in Richting Stofftiere. Kominiert mit dem Pissen und Nacktaufführungen für die sie bekannt sind werden sie immer mehr wie die verspielten Geschwister von Mike Kelley, die Familie in Europa.

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Das war meine totale “Ich verstehe das nicht, es kommt mir furchtbar aufgeblasen und doof vor, aber ich kann mich auch natürlich irren”-Arbeit. Der “Palm D´0r Social Club New York” hat Interviews mit Besuchern gemacht für eine irgendwie zu produzierende TV Sendung, aber die Leute. die da agiert haben, das kam mir so unendlich aufgesetzt und hängengeblieben vor, da so ein autonomes und irgendwie ironisches Medienmachtsoziogefüge-Ding zu inszenieren, da war doch irgendwie in den frühen 90ern alles voll davon, oder? Alles war so ernst inzeniert, dann saß da auch noch Christian Jankowski, dessen Arbeit ich persönlich einfach nicht mag, irgendwie war das echt unangenehm klebrig, aber ich weiß zuwenig drüber.

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Jetzt beginnt der Galerienrundgang. Eine Variante des “Palm d´Or” Dings gab es bei Michael Neff von Michael Riedel und Achim Lengerer. Michael Riedel arbeitet darauf hin der heterosexuelle Warhol des neuen Jahrtausends zu werden, und vielen gefällt das gut, ich finde es zwar sehr konsequent, mir ist der schwule Warhol aber echt bedeutend lieber.
Die Arbeit von beiden bestand in einer Kopie der Galerie Neff, und eben dieser gefilmten Talkrunde, mit gefakten Künstlern, die irgendwas sagen, und es geht um den Prozess der Recordings und um die Rekonstruktion und alles ist irre clever aber mir ist das zu strebsam. Das aufgebaute Set sah 1 zu 1 aus wie Matthew Barney obwohl es eine Kopie des Sets vom Internationalen Frühschoppen ist.

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Tobias Rehberger in der Galerie Grässlin. Wände ohne Ende, sehr schön gebaut und schöne Farben, mir wurde später gesagt, da seien Graffittis draungewesen, die habe ich nicht gesehen. Die Eröffnung war lustig und die Gäste sind danach alle mit Taxen in irgendwelche Restaurants gerauscht, ich bin mit Gabi zum rraum gefahren.

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Denn dort gab es in der Ausstellung von Mandla Reuter eine Ausstellung von Kim Nekarda, die mir eigentlich am besten gefallen hat von allem. Er hat das Innencover von Tim und Struppi auf eine Wand übertragen (hier zu sehen) und im gegenüberliegenden Raum eine gerahmte Kopie einer zerbrochenen Chlorophormflasche aus demselben Comic gezeigt. Mit Kim habe ich mich an dem Abend sehr gut unterhalten, die Intimität des rraums war total schön und sicher entspannter und besser zum Gespräch geeignet als das After-Show-Essen der Grässlin-Show, wo sich anscheinend fast 100 Leute reingequetsch haben. Uff.
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Last but surely not least die tolle Arbeit vom tollen Matin Creed auf der Kunstmesse. Außen eine seiner minimalen Arbeiten, ein gerahmter Text, der sich selbst beschreibt, innen ein Video, daß jemanden beim Kotzen zeigt. Martin Creed macht ja zudem die beste Künstlerband überhaupt, sehr sehr sympathisch finde ich.
Ende des Rundgangs, hoffe, es war erquicklich.

This entry was posted on Sunday, March 26th, 2006 at 14:51 and is filed under RESEARCH.

11 Responses to “Sherlock Richter auf Kunsttour”

  1. Sarah, der Cockerspaniel Says:

    you are sooo cool, Mr. Maplewood!! - laß uns lieber vom 4.4. - 7.4. in die ANUGA FOOD TEC in Köln einfallen und die neuesten Errrungenschaften auf dem CONVENIENCE FOOD Sektor bestarren und einverleiben. Das fetzt wenigstens.
    Akkreditiert bin ich schon, du fauler Hund (”trab trab trab”).
    Kunst ist doch eh nur was für Popanzen und labile Schmierlapps

  2. Administrator Says:

    Hey Cockerspaniel! Ich komme auf jeden Fall am 7.4. zu Deiner Kunstausstellungsfinissage, egal ob Kunstpopanz oder nicht! Und vielleicht schaff ichs schon am 6. Abends, da schreib ich Dir aber nochmal ne mail. Convenience Food rules OK!
    Falle jetzt schnell tot ins Bett, FKV Aufbau ist herrlich aber hart.
    xxx
    yours truely

  3. Moniker Says:

    die iss am 9.4. nich am 7.4.

    herrlich aber hart iss imma gut ;)

  4. it Says:

    hast du eigentlich das Zitat erkannt : you are sooo cool, Mr. Maplewood!, bzw. Dr. Maplewood? Aus Happiness? Ich bin echt kein Film-Freak, aber diesen Film isch liebe so sehr!!! alles daran ist so fantastic, jede Rolle jede Scene und Dr. Maplewood (Dylan Baker) ist so toll… aber auch die meisten anderen!

  5. MB Says:

    danke für die netten komplimente und das foto vom kim und überhaupt, dein fotorundgang macht lust auf die ausstellungen auch bei neff und grässlin, viele grüüüüße!

  6. Administrator Says:

    Huhu it!
    Asche über mein Haupt! Ich muß gestehen: weder Zitat erkannt, noch Happiness gesehen! Weia! Aber auch toll: Jetzt habe ich noch was, was ich nächste Woche tun werde! Happiness gucken!
    xxx
    c

  7. it Says:

    wer ist MB?
    Asche braucht nicht!
    We are free

  8. Carroll B. Merriman Says:

    Vielen Dank für den Post, die Informationen hatte ich noch nicht.

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    Gaston did say the city of La Vergne made progress under Mayer, but “I think this was not what Steve pictured it to be Coach Factory Outlet.”

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