Dirty Projectors forever !

Seufz. Schon wieder eine neue Lieblingsband. Dave Longstreth ist quasi diese Band, begleitet von Freunden und Kollegen aus der Yale-Uni, an der er Musik studiert (hat). Die aktuelle CD The Getty Address ist eine Art neoklassische Komposition, viel Bläser, Flöten, Choräle und eigentlich immer eine Marimba. The Getty Address erzählt eine ziemlich spezielle Geschichte, in der Don Henley (ex Eagles) durch einige von Dave Longsteth erdachte Stationen wandert: Zu Beginn beobachtet Henley von einem Bergrücken aus die sich vor ihm erstreckende Landschaft, und befindet sich in einem Kraftfeld aus Kontemplation. Das erste Stück befasst sich eingehend mit der komplexen Innenwelt Henleys, während er dort hockt und auf die Landschaft starrt, die ihn an eine junge Frau erinnert, und der Dirty Projectors 1er verfällt. Er löst sich aus seiner Starre und begibt sich auf eine Wanderung auf der Suche nach Liebe. Währen der Wanderung nimmt Henley innerlich die Form von Feuerwerken, Trucks und Jets an und wird dabei stets von einem inneren Chor begleitet. Als er in einem Parkhaus schläft, hat er einen Traum, der exakt dem Traum des aztekischen Herrschers Moctezuma aus dem Jahr 1320 gleicht, und in dem ein Emblem für Wildnis eine wichtige Rolle spielt. Wichtig ist auch, daß Moctezuma nach diesem Traum Tenochtitlan gründete. Henley schläft und träumt weiter. Die Träume (und auch der Gesang) drehen sich um einen von ihm schon vorher gefällten Vergleich von Warhols Perücken und spezifischen Verhalten von Blattwerk im Wald , und Henleys Chor schlägt das Wort “Kangarwomb” als bestmögliche Bezeichnung seiner aktuellen Lage vor, da er sich wie in einem Känguruhbeutel fühlt. Am nächsten Tag wandert er weiter und wird von der Wildnis ganz kirre. Er entwickelt einen neuen Narzissmus und starrt in Seen und Pfützen. Die Wanderung beutelt Henley, er verliert den Mut, und muß mit Hilfe alter Songlines Bedeutung herbeikonstruieren. Er tuckert mit seinem Ford durch die Wildnis und kommt zu einem historischen Schlachtfeld in Gettysburg, Pennsylvania, wo er Sacagawea Petrillo trifft, die dort Tourguide ist. Sie führt ihn über das Schlachtfeld, von dem er glaubt, es sei sein eigener Körper. Durch ihre Führung wird ihm einiges klar, und sie verliebt sich in ihn. Er gerät darüber in Ektase. In einem weiterenTrack steigert sich Henleys Ekstase, seine Gedanken flirren wie Neuronen, er schreibt ein schlechtes Gedicht und liegt in Sacagawea´s Armen. In einem verdrehten Gedankensprung verbinden sich das Emblem der Wildheit, das Schlachtfeld mit seiner Historie und der Entsprechung seines Körpers und seiner Geschichte zu der Gewissheit, daß er genau dort mit Sacagawea siedeln muß. Da erwacht er aus diesem (bis dahin als real erlebten) Traum und Sacagawea führt ihn und andere Besucher zum Gift Shop, eine unerwartet Enttäuschung! Henley rennt völlig untröstlich auf den Parkplatz nahe des Ozeans. Ein starker Wind weht, und es beginnt zu dämmern. Plötzlich wird ihm die Wildnis des Platzes bewußt. Drei Finken ziehen seine Aufmerksamkeit an, sie erinnern ihn an das Emblem der Wildnis. Plötzlich bemerkt er die Aufrichtigkeit dieser Vögel, und stellt fest das diese Finken die ganze Zeit sein innerer Chor waren. Die Finken teilen ihm Weisheiten mit, zum ersten mal in Englisch. Ende.
Diese bewegende Geschichte ist in wirklich raffinierte und verdrehte Kompositionen gekleidet, Henley/Longstreth singt darüber in einer erst einmal gewöhnungsbedürftigen, dann jedoch ziemlich schönen Justin-Timberlake-haften Falsettstimme, der Chor sing in einer
Fantasiesprache (oder ist es aztekisch?). Die Arrangement sind bezaubernd, Oboen und Klarinetten, Flöten und die auf und abschwellenden Chöre erzeugen eine hochkonzentrierte und magische Welt, die Longstreth mit progammierten wummernden
Bassläufen und digitalem Editing kontrastiert.
SummerBesonders bemerkenswert sind die Videos, (je über 100 MB download) die James Sumner zu bisher zwei der dreizehn Tracks gedreht hat. Henley/Longstreth bewegt sich dabei in einer Art photoreal gemappten AutumnVideospielwelt voller Sandhill Kranes und aztekischer Moves, und singt und tanzt zwischen Herbstlaub und explodierenden Trucks. Dabei begleiten ihn die Kraniche und die Finken und singen ihm Choräle voller Weisheit und Stil.

This entry was posted on Montag, Oktober 31st, 2005 at 13:52 and is filed under LOVES.

5 Responses to “Dirty Projectors forever !”

  1. superschum Says:

    eine schöne geschichte .. nur bei den ganzen finken, chorälen, klarinetten und flöten wird mir etwas schwindlig. aber anhören muss ich es mir!
    (übrigens ich komme nur über umwege auf deine LOVES seite. mein arbeitgeber sperrt den zugang aufgrund des wortes LOVES in der adresse. hilfe! - liebe verboten?)
    gruss superschum

  2. pandy Says:

    oho ich kannte bisher nur das eine video und war auch sehr begeistert, schon ohne die ganze fantastische drumherum geschichte. jetzt bin ich deinen links gefolgt und auf http://vsanna.com/ gibt es inzwischen bereits schon drei davon!

  3. Administrator Says:

    Dearest Pandy!
    Welch eine Freude! Ich habe gleich den Video-Link im Fliesstext geändert und kann es kaum erwarten, daß das Video Nummer drei auf meine Festplatte tuckert. Merci beaucoup! Yours truely Richter

  4. » Blog Archive » neue Dirty Projectors EP Says:

    […] Ich befürchte, ich werde hier so langsam aber sicher die deutsche Dirty-Projectors Fanbase, ist mir egal, mach ich gern. Hier also die News: Es gibt eine neue Dirty Projectors EP Man kann und sollte sie bei Marriage Records erwerben, meine Bestellung ist unterwegs und ich bin schon ganz hibbelig! […]

  5. » Dirty Projectors: “Rise Above” Says:

    […] Das Album ist der irrwitzige Versuch, Black Flags „Damaged“ von 1981 auf der Basis von Erinnerungen zu Covern. Die ungewöhnliche Rekonstruktion des legendären Hardcore-Albums ist somit eine subjektive, von der Gegenwart geprägte Auslegung, die ein wenig an Animal Collective erinnernd wild Stile mischt, von Funk über Folk zu Rock. Ein theatralisch überdrehtes Konzeptalbum von schier überwältigendem musikalischem Reichtum, das den früheren Projekten in nichts nachsteht (hier ein sehr ausführlicher, fundierter Text über das irre Konzeptalbum “The Getty Address” und hier die MySpace-Seite der Band). (Rough Trade) […]

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