Dreams are my reality

Dreams are my reality
Mauerfall an der Fiktionsgrenze

Rund um Science-Fiction-Filme wie Star Wars, Blade Runner oder Aliens haben Fans begonnen, Elemente der von Filmdesignern entworfenen futuristischen Welten nachzubauen.
Die Fan-Nachbauten, sogenannte „Prop-Replicas“ gehen jedoch über die Rekonstruktion eines Austattungsgegenstandes oft weit hinaus. Viele Prop-Replicas fungieren nicht als Nachbau eines Requisits, sondern als Nachbau des fiktiven Gegenstandes, der im Film durch das Requisit repräsentiert wird.
Reicht beim Filmdreh beispielsweise eine einfache Holzstange mit einem Metallgriff, um später mit Hilfe der Postproduktion ein glühendes Lichtschwert daraus zu zaubern, so stellt sich bei einer Prop-Replica die Frage, wie sich ein Lichtschwert anfühlt, wie es in der Hand liegt, und wie man Etwas baut, was es eigentlich so gar nicht gibt.

Zwei kleine Worte und ein kurzer Film
Science-Fiction verrät schon im Namen, was es ist, und woraus es schöpft.
Dem offenen Verweis auf Fiktion stellt das Wort „Science“ ergänzend voran, daß die Wissenschaft, von der wir gemeinhin annehmen, sie sei die Hochburg der Verifizierbarkeit, von Science-Fiction als Grundvokabular zur Konstruktion neuer fiktiver Welten verwendet wird.
Die Erkenntnisse und Visionen der Wissenschaft und die Errungenschaften der Forscher und Ingenieure werden im Science-Fiction aus der physikalischen Verantwortung gelöst. Anything goes.
Das Genre Science-Fiction war seit Anfang an auch eine prägendes Themenfeld des Kinos. Gleich zu Beginn des Mediums drehte Georges Méliès bekanntermaßen mit „Le voyage dans la lune“ (1902) einen der ersten Science Fiction Filme, und bewies früh, wie gut die Technologie des Kinos dafür geeignet war, fiktive Welten darzustellen.

Weisen der Welterzeugung
Die Illusionsmaschinerie des Kinos schafft durch die Reizung unserer visuellen und akkustischen Rezeptoren eine Illusion von Welt, auf die sich der Kinobesucher gezielt einlässt. Das Kino lauert nicht mit dem Illusionsknüppel irgendwo um die Ecke, man geht ins Kino, um sich bewußt in fiktive Welten zu versetzen.
Die Perfektion der Illusion die das Kino bietet, hängt stark davon ab in wie weit beim Besucher des Films Empathie oder sogar partielle Identifikation mit der fiktiven Welt und den Figuren des Filmgeschehens zustande kommt. Durch emotionale Reaktionen wie Mitgefühl mit den tragischen Filmhelden oder Angst vor dem Filmmonster verstärkt sich bekanntermaßen die Illusion des „Mitten-drin-seins“ in einer ganz und gar fiktiven Welt.
Um diese Empathie mit der Fiktion zu ermöglichen werden, egal ob für „realistische“ der „fantastische“ Szenerien, oft keine Kosten und Mühen gescheut.
Für Stanley Kubricks Eyes Wide Shut-Dreh wurden beispielsweise nicht nur der Großteil der Innenräume, sondern auch die gesamte New Yorker Straßenszenerie als Kulisse in England errichtet, um darin die Außenaufnahmen stimmig zu inszenieren.
Science Fiction oder auch Fantasy-Filme sind zur Erzeugung von Empathie mit offensichtlich fiktiven Welten und Figuren besonders stark auf die glaubwürdige Vermittlung ihres fiktiven Weltentwurfs angewiesen.
Production-Designer entwickeln für Science-Fiction-Filme fiktive Welten, die in sich genau so stimmig und glaubwürdig sein müssen, wie Kubricks New York-Kulisse.
Berühmte Science-Fiction-Film-Designer wie der legendäre „Visual Futurist“ Syd Mead, der maßgebliche Designs für die Welten von Filmen wie Blade Runner, Tron oder Aliens schuf, oder Ralph McQuarrie, der quasi das gesamte Star-Wars-Universum bebilderte, brachten Erfahrungen aus Industriedesign und Illustrationsjobs für NASA-Missionen mit, um die fiktiven Maschinen und Uniformen zu entwerfen, die einige Fans heute en Detail nachrekonstruieren.
Auch die Kinotechnologie wurde für die Vermittlung fiktiver Welten stetig weiterentwickelt. Special-Effects-Firmen wie das von George Lucas gegründete Unternehmen Industrial Light and Magic (kurz ILM) sind in knapp 30 Jahren von Pionieren zu Großmeistern der Illusion herangewachsen. Im Jahr 1983 perfektionierte ebenfalls George Lucas, passend zum Start seines dritten Star Wars Films, mit dem neuen THX-Lautsprechersystem auch die Audiosysteme der Kinos.
Die Show kann beginnen.

Ektoplasmen von Fiktion

Eine fiktive Welt kann Empathie ermöglichen und Gefühle wecken. Wenn jedoch ein Punkt erreicht wird, an dem Empathie zu Sehnsucht wird, muß man schmerzlich feststellen, daß all das Großartige, was dort in der Welt der Fiktion nicht verifiziert werden muß, in der Realität leider komplett anderen Bedingungen unterliegt.
Die Bedingungen der Realität lassen alles, was in der Fiktion glüht, schwebt, zaubert und bestens funktioniert, gar nicht erst zu. Die Grenzen sind dicht.
Doch was passiert, wenn man am Grenz-Zaun rüttelt?
Manche Science-Fiction-Film-Fans bauen Objekte nach, die sie in ihren Lieblingsfilmen gesehen haben. Laserwaffen, Uniformen und ganze Räume werden so plötzlich der Filmwelt entrissen und vor der Leinwand verfügbar.
Es entstehen immer mehr Rekonstruktionen von Props (der englische Begriff für „Ausstattungsgegenstände“) aus Science-Fiction-Film-Welten. Begehbar, bespielbar, rundum erfassbar, eine Art experimentelle Archäologie der Fiktion.
Rekonstruieren seit den frühen 70er Jahren Gruppen sogenannte „Re-Enacter“ historisch überlieferte Vorlagen, wie z.B. im Falle der European Napoleonic Society militärische und zivile Lebensgewohnheiten aus Napoleons Zeit , so re-enacten Science-Fiction-Film-Fans, durch Prop-Replicas und Kostüme fiktive Vorlagen, sie rekonstruieren etwas Fiktives, und bilden so quasi Ektoplasmen von Fiktion.

Das Materialisieren von Fiktion ist ein hartes und recherche-intensives Handwerk, und nur wenige Fans beherrschen dieses Handwerk so gut, wie die beiden Amerikaner Richard Coyle und Phil Steinschneider.
In monatelanger Kleinarbeit rekonstruierten das Duo eine Pistole aus dem Film Blade Runner, eine Pistole aus einem möglichen Jahr 2019.
Um mit ihrer Replica möglichst exakt dem Original-Exemplar des Films zu entsprechen, recherchierten sie bei ehemaligen Mitgliedern des Blade Runner Filmteams, und verfolgten den Jahrzehnte zurückliegenden Herstellungsprozess dieser fiktiven Waffe bis ins Detail.
Coyle und Steinschneider kamen zu dem Ergebnis, dass die Waffe nach Abgüssen von Teilen einer „Charter Arms Bulldog 44“ und einer „Steyr-Mannlicher Model SL Rifle“ konstruiert wurde. Sie erwarben beide Waffen und zerlegten sie in Einzelteile. Die Einzelteile wurden abgegossen, von unabgießbaren Kleinst-Elementen wurden Lehm-Modelle geformt, die wiederum als Vorlagen für Abgüsse dienten. In minutiöser Kleinstarbeit wurden die Abgüsse nun so miteinander kombiniert, daß sie nach und nach die im Film sichtbare Waffe ergaben. Einzelne Teile mußten modifiziert werden, sogar die im Film knapp eine Sekunde sichtbare Seriennummer wurde nach Diskussionen und Rückfragen neu eingefräst.
Steinschneider und Coyle schritten den Weg, den die Erschaffer der fiktiven Waffe bei ihrer Konstruktion gegangen waren rückwärts ab, sie dekonstruierten die von den Filmdesignern erdachte Zukunftswaffe, zerlegten die Fiktion quasi wieder in ihre realen Versatzstücke, um sie dann mit dem neu erworbenen Wissen selbst noch einmal als Klon zusammenzufügen.
Ähnlich verfuhr das Team auch mit der „M-41-A Pulse Rifle“ aus James Camerons Alien-Fortsetzung Aliens.
In einem ebenfalls aufwendigen Arbeitsprozess wurde die fiktive Vorlage aus den Einzelteilen vier verschiedener „echter“ Waffen und Teilen eines Bausatzes rekonstruiert. Die so entstandene Replik ist, genau wie der Blade Runner-Blaster zu einem sehr real wirkendem und seltenen Sammlerstück geworden.

Wir bauen eine neue Stadt
Das Spektrum der Fan-Replicas erstreckt sich jedoch nicht nur auf Waffen.
Mit Hilfe von akkurat rekonstruierten Kostümen, Kulissen und den den rasante expandierenden Nachbearbeitungsmöglichkeiten der Personal-Computer begannen Fans irgendwann, ihre Lieblingsfilme selbst weiterzuverfilmen. Internetplattformen wie www.theforce.net hosten inzwischen ein breites Spektrum der von Fans produzierten Science-Fiction-Filme, die den Vorlagen in Detailfreude kaum noch nachstehen.
George Lucas, der Star Wars-Erfinder selbst, beurteilt regelmäßig offiziell die sogenannten „Fanfilme“, die Differenz zwischen Produzent und Konsumenten weicht zunehmend auf.
Der amerikanische Fanfilm-Regisseur Dennis Ward errichtete mit seinem Team in einem Garten eine lebensgroße Replik des Millenium Falcon-Raumschiffs aus Star Wars.
Dieses Raumschiff fungiert in den Star Wars Filmen mehrmals als fliegendes Zuhause der Helden, es gleicht einem mit Kabelsträngen, Klappen und Funktionselementen (sogenannten Greeblies) überzogener riesiger Flunder, und gerade dieser überbordende Reichtum an technischen Details ließ das fiktive Raumschiff für den Kinogänger seltsam nachvollziehbar und real wirken.
Der Nachbau des Fanfilm-Teams war um ein Vielfaches größer als alle ursprünglich für Star Wars verwendeten Modelle des Raumschiffs. Dennis Ward und sein Team schufen das erste begeh- und bespielbar 1:1 Modell des Raumschiffs, aber eine in jedem Detail, jedem Kabel und stimmige Kopie des riesigen Raumschiffs zu konstruieren war schlicht unmöglich.
Das gigantische Raumschiff, daß mehrer Tage lang in einem amerikanischen Vorgarten stand, schien eher wie ein gigantisches Pappmodell des „echten“ Film-Raumschiffs, und doch reicht schon diese reduzierte Form aus, um sich als Realität anzubieten.
Das im Film sichtbare Raumschiff „Millenium Falcon“ entstammt einer fiktiven Welt, zu deren Wahrnehmung der Linguist Rainer Jacob sagt: „Eine solche parallele Welt ist als Vorstellungsgebilde niemals völlig ausdefiniert, d.h. jede Fiktion enthält Lücken, die entweder als Erfahrungsgrenzen bestehen bleiben oder aber punktuell von der Vorstellungskraft des Rezipienten ergänzt werden, die sich meist an seiner Realität orientiert.“
Beim reduzierten Nachbau des „Falcon“ funktioniert dieser Prozess spiegelverkehrt. Die Lücken in der „Authetizität“ des vergröbert nachgebauten Raumschiffs werden von der Vorstellungskraft der Fans ergänzt, die sich in diesem Falle nicht an der Realität des Modells, sondern an der Realität einer fiktiven Zukunftswelt orientiert.
Der nachgebaute „Millenium Falcon“ wurde wenige Tage nach seiner Fertigstellung von einem Wirbelsturm zerstört, ist aber im Fanfilm „Stuck on Star Wars“ auf Video erhalten geblieben.
Zum Glück noch zur Gänze erhalten ist das Werk des New Yorkers Tony Alleyne.
Alle Räume seiner Wohnung inklusive Küche und Bad sind an das Design der Kommandobrücke des Raumschiffs „USS Enterprise“ aus den jüngeren Folgen der Star Trek-Serie angelehnt. Das Design der „USS Enterprise“ wird hier nicht nur partiell rekonstruiert, es wird zur Vorlage für emanzipiert fiktionsbasierte Wohnraumgestaltung. Tony Alleyne konstruiert keine exakte Replik des fiktiven Raumschiff-Interieurs, er studiert eher die Designprinzipien der „USS Enterprise“, und wendet sie auf seine Wohnsituation an.
Raumentwürfe und Designs, die für einen Film die Idee einer Welt des 24. Jahrhunderts visualisieren, wurden durch Tony Alleyne plötzlich zur Blaupause einer real existierenden Wohnsituation.
Und auch der Weg in die andere Richtung ist gangbar.
Regisseur Ridley Scott kombinierte 1982 schon für sein Science-Fiction-Meisterwerk Blade Runner Charles-Rennie-Mackintosh-Stühle mit Syd Meads futuristischem Design und Cini-Boeri-Kristallgläsern, und verlegte das Apartment des Androidenjägers „Deckard“ in eine über 100-stöckige Wolkenkratzerversion von Frank Lloyd Wrights „Ennis-Brown“-Hauses.

Es werde Licht

Das Phänomen der Replik ist aus dem Museumsalltag bekannt. Gipsabgüsse klassischer Skulpturen oder Abformungen seltener Fossilien sind fester Bestandteil vieler historischer Ausstellungen. Auch an Gebäuden wie dem Kölner Dom müssen besonders korrosive Stellen durch Repliken der Originalteile ersetzt werden.
Der Begriff der Replik greift bei Fan-Nachbauten von Filmprops jedoch oft nur teilweise, denn viele von Fans gebaute Replicas sind mit einem größeren Funktionsspektrum ausgestattet als die eigentlichen Filmrequisiten. Die der Fiktion entrungenen Gegenstände sollen benutzbar sein. Make it real.
Ähnlich wie die Re-Enactors der European Napoleonic Society, bauen Fans fiktive Objekte nach und benutzen sie, um etwas über eine andere Welt zu erfahren. Orientiert sich die experimentelle Archäologie an historischen Vorlagen, so sind es bei den Fans fiktive Welten, die durch den Umgang mit den greifbaren Objektrekonstrukten nachvollzogen werden.
Die größte Hürde, die ein Nachbau eines fiktiven Gegenstandes zu nehmen hat, ist die der Funktion. Ein Beispiel sind die Lichtschwerter aus Star Wars. In der fiktiven Welt funktionieren die Laserschwerter ganz selbstverständlich, doch versucht man, ein solches Gerät außerhalb der Fiktion zu rekonstruieren, verliert es die fiktive Funktion. In einem von der Astrophysikerin Jeanne Cavelos verfassten Buch „The Science of Star Wars“ wird die fiktionale Technologie des Star Wars Universums auf eine mögliche Realisierbarkeit hin überprüft, und auch die Lichtschwerter werden dementsprechend abgeklopft. Cavelos vollzieht durch ihre wissenschaftliche Herangehensweise an fiktive Technologie einen interessanten Sprung in der Wahrnehmungsachse, aber auch sie stellt fest, daß ein funktionierendes Lichtschwert momentan noch nicht baubar ist.
Und doch finden sich auch hier Wege, die Funktion wenigstens so genau wie möglich zu transkribieren.
Sucht man heutzutage nach einem guten Lichtschwert, findet man in limitierter Auflage erhältliche, detailgetreue und schwere Metallreplicas, die mit einer neuen Lumineszenztechnologie ausgestattet sind und mittels einer mit elektrolunineszenter Folie beschichteten Polycarbonatröhre das Laserfeld simulieren. Die Firma „Lichtschwerter.de“ wirbt: “Der aus poliertem Metall bestehende Griff verbirgt im Inneren seine Elektronik, die für originale Soundeffekte aus Episode II und für die blau-leuchtende Klinge zuständig ist. Die Sounds wurden digital auf das Lichtschwert direkt aus dem Film übertragen. Nicht nur, dass es, einmal angeschaltet, ständig das typische Lichtschwert-Surren von sich gibt, ein Erschütterungssensor aktiviert bei Berührungen sogar den “Clash” Sound, der entsteht, wenn Lichtschwerter aufeinander treffen. Die Klinge ist permanent an das Lichtschwert befestigt und leuchtet hell und gleichmäßig.“
Dieses Lichtschwert ist inzwischen längst kein reiner Nachbau eines Filmprops mehr, es wurde dafür konstruiert, das Gefühl beim Benutzer zu erzeugen, ein echtes Lichtschwert in den Händen zu halten.
Was Umberto Eco in seinem Buch „Im Wald der Fiktionen“ in Bezug auf ein Autor-Leser-Verhältnis „Fiktionsvertrag“ nennt, wird hier im Endeffekt auf Gegenstände erweitert.
Jeder an diesem Fiktionsvertrag Beteiligte weiß, daß das Lichtschwert nicht echt ist, aber es repräsentiert ein Lichtschwert. Man kann es berühren, es leuchtet, es surrt und es reagiert interaktiv, es ist also kein echtes Lichtschwert, aber es ist ein möglichst echt erscheinendes Lichtschwert.
Wäre das Lichtschwert letztendlich mit voller Funktion real verfügbar, wäre es Realität und keine Fiktion. So aber wird dem fiktiven Lichtschwert nun mit dem modellhafte Nachbau des Lichtschwerts entsprochen, und dieser reflektiert als Objekt einen fiktiven Gegenstand, dem eigentlich kein realer Gegenstand entsprechen kann.
So kann die in der Fiktion gegeben Funktion eines Gegenstandes außerhalb der fiktiven Bedingungen also nur simuliert werden, oder aber man beschränkt sich auf die Rekonstruktion eines „ausgeschalteten“ Geräts, denn „Standby“ funktioniert zum Glück in beiden Welten. Die Funktion bleibt in diesem Falle imaginär, die Simulation wird unnötig.

You´re not alone
Was in Woody Allens Film The Purple Rose of Cairo problemlos gelingt, nämlich der Sprung der Leinwandhelden von der Leinwand in das Leben der Zuschauer, bleibt bisher ebenfalls nur den fiktiven Figuren dieses Werks vorbehalten. Es gab und gibt jedoch immerhin eine praktische Möglichkeiten, Figuren aus Filmen über die Grenze zu holen: Man stellt sie dar. Ein Stormtrooper-Soldat aus Star Wars, dessen weiße Uniform zu 100 Prozent den Körper verdeckt, kann mit Hilfe einer detailgetreuen Replik der Uniform außerhalb der fiktiven Umgebung reenacted werden. Eine Stormtrooper Uniform besteht aus 32 einzelnen Plastikschalen, die im Regelfall aus ca. 3 mm dickem ABS Kunststoff gefertigt werden. Die Teile sind untereinander entweder mit fest genieteten oder mittels Klettverschlüssen befestigter Textilbänder verbunden. Zur „Rüstung“ gehört außerdem ein Helm, Stiefel, Handschuhe, eine Laserwaffe, evtl. ein Rucksack, Schulter-Rangabzeichen und ein schwarzes Ganzkörperkostüm, das unter der weißen Plastikrüstung getragen wird. Eine solche Uniform, auch liebevoll „White Armor“ genannt, herzustellen ist (vergleichbar der vorhergehenden Beschreibung der Blade Runner-Blaster Rekonstruktion) ein aufwendiger Prozess, und die in Handarbeit tiefgezogenen Plastikuniformen sind selten und teuer. Vor knapp 9 Jahren gründete der amerikanische Star Wars Fan Albin Johnson in North Carolina eine Fanvereinigung, die schnell wuchs und inzwischen „The 501st Legion of Imperial Stormtroopers“ heißt. Albin Johnson besaß eine der der seltenen Replikas einer Stormtrooper Uniform, und suchte nach anderen real gewordenen Stormtroopern. Er blieb nicht lange allein. Innerhalb kürzester Zeit fanden sich immer mehr Fans mit Stormtrooper-Uniformen zusammen, zuerst in Albins näherer Umgebung, dann in anderen Bundesstaaten, später sogar amerikaweit. Wenige Jahre nach Gründung der 501st Legion hat der Club Stützpunkte in allen amerikanischen Bundesstaaten, Japan, Kanada, Deutschland, Brasilien, Belgien, Chile, Kroatien, Dänemark, Holland, England, Frankreich, Israel, Italien, Korea, Mexiko, Monaco, Schweden, Finnland, Norwegen, Argentinien, Hawaii, Puerto Rico, Polen, Singapur, der Schweiz und den vereinten Arabischen Emiraten.
Die 501st Legion zählt inzwischen über 2500 Mitglieder weltweit, und ist in Garrisonen, Squads, Outposts und Detachments unterteilt, um der wachsenden Mitgliederzahl eine funktionierende Organisationsstruktur bieten zu können.
Die Clubsatzung besagt hinsichtlich der Ziele des Clubs:“ The Legion is a not-for-profit club formed for the express purpose of bringing together costume enthusiasts and giving them a collective identity within which to operate. The Legion’s aims are to celebrate the Star Wars movies through the wearing of costumes, to promote the quality and improvement of costumes and props, and most importantly to contribute to the local community through charity and volunteer work. “
Stormtrooper sind gern gesehene Gäste in Kinderkrankenhäusern, Schulen und auf Charity-Veranstaltungen. Die weißen Uniformen wecken die Neugier der Umstehenden und lenken kranke Kinder von ihren Sorgen ab. Reale Stormtrooper sinnen nicht auf blinden Gehorsam, sondern im Zweifelsfall eher auf ein intaktes Gemeinwesen. Die Vorliebe für die Uniform bedeutet also nicht gleich automatisch auch Identifikation mit den im Film dargestellten Figuren, denn die „Stormtrooper“’ aus Star Wars sind dumpfe Kriegsmaschinen und würden ein Kinderkrankenhaus wahrscheinlich in Kürze pulverisieren. Bei der 501st Legion gibt es hingegen keinerlei organisierte Kriegsdarstellung oder dumpfen Militarismus, das Interesse der Fans liegt weniger an der Rekonstruktion einer fiktiven Militärmacht, als an der Uniform selbst.
Warum nicht nur bei Star Wars-Fans die „bösen“ Charaktäre die beliebtesten Vorlagen für Kostümierungen sind, beantwortet die italienische Garrison auf ihrer Webpage: “ Just a matter of design!… We don’t know why, but usually (both in movies and reality) the “baddies” always have the most original and interesting uniforms and the best gear, while in literary fiction, comics and movies the “goodies” look generally trivial, lacking imagination, as they have to meet the classical stereotype of the handsome, spotless, fearless hero.”
Heldentum ist trivial, weil es eine möglichst breit greifende Identifikation fordert, und darum auf Vertrautes setzen muß. So bleibt stets der größere Spielraum bei der Konstruktion des fiktiven Bösen, bei dem der Bruch mit dem Vertrauten mehr Möglichkeiten für Visonen bietet, und die von Ralph McQuarrie für Star Wars entworfenen Stormtrooper-Uniformen sind eine Vision von ultra-weisser technoider Schönheit, für die man sich auch als Pazifist begeistern kann.

Now is early
Die NASA entwickelt im Augenblick einen kleinen fliegenden Droiden, der in wenigen Jahren erste Dienste auf der ISS-Raumstation leisten soll. Das Gerät ist kugelförmig und navigiert mit Hilfe von 6 kleinen eingebauten Rotordüsen. Es kann auf einem Display Daten an die Astronauten geben, sprechen, und auf das Einhalten von Arbeitspausen achten, sowie vor Gefahr warnen.
Juri Gawdiak, der den „Personal Sattelite Assistant“ entwickelt hat, betont in Interviews, daß ihn bei der Entwicklung des PSA hauptsächlich der ebenfalls kugelförmige fliegende Droid, mit dessen Hilfe die fiktive Figur „Luke Skywalker“ in Star Wars das Lichtschwertkämpfen übt, als Vorlage diente. Der Prototyp ähnelt tatsächlich verblüffend dem fliegenden, kugelförmigen Roboter aus dem Film.
Ebenfalls ins Interesse der NASA-Entwickler gerückt ist der sogenannte „Hyperdrive“, der fiktive Antrieb der Star Wars und Star Trek-Raumschiffe, der problemlos interstellare Strecken in wenigen Stunden zurücklegt. Die NASA arbeitet an Antrieben durch Kernfusion und forscht zudem an Laser- und Antimaterie-Antrieben. Bestimmt kein Grund, in wilden Hurra-Technologismus zu verfallen, eher eine Möglichkeit, zu beobachten, daß sich die NASA hierbei konkret auf Science-Fiction beruft. So erläutert etwa George Schmid, Manager eines von der NASA geleiteten Forschungszentrums: “We’re convinced that several of these technologies will likely transform the space travel seen in sci-fi movies into real-life experience. Laser propulsion and antimatter have long been the stuff of science fiction, and now we’re experimenting with them as viable options for space travel.”“

Über Annahmen
Empathie mit Fiktion ist, wie schon angeführt, ein keinesfalls ungewöhnliches Phänomen, und trotzdem lastet der Makel einer vermeintlichen Realitätsflucht auf denen, die sich entschieden haben, die Bedingungen der Realität offen mit ihrer Liebe zur Fiktion zu konfrontieren.
Dem immergleichen Vorwurf, eine eigene soziale Identität mit Hilfe von fikitionsbasierten Vorlagen zu schaffen, sei Eskapismus, entgegnet der amerikanische Theoretiker John Fiske: “Dem liegt die Vorstellung zugrunde, daß Repräsentation eine soziale Dimension besitzt, wohingegen im Eskapismus eine bloß persönliche Flucht in die Phantasie gesehen wird. Diese oberflächliche Diffamierung ignoriert die Tatsache, dass es beim Eskapismus oder bei der Phantasie notwendigerweise nicht nur um eine Flucht vor etwas oder um eine Vermeidung von etwas, sondern auch um eine Flucht hin zu einer präferierten Alternative geht, denn eine Diffamierung des Eskapismus als ‚bloßer Phantasie‘ entzieht sich den entscheidenden Fragen, wovor geflüchtet wird, weshalb eine Flucht notwendig ist und wohin diese Flucht führt.“
Die Flucht führt nicht in die Fiktion hinein, sie führt durch die Fiktion hindurch und wieder heraus, denn in diese Richtung sind die Grenzen bedeutend leichter passierbar und der Zoll ist nicht allzu streng.

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Vielen Dank an:
Kevin Merritt und Carsten Willers von der 501st Legion of Imperial Stromtroopers
Phil Steinschneider
Tony Alleyne / 24th Century Design
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Internet:
www.501st.com
www.theforce.net
www.24thcid.com
http://props.steinschneider.com
www.mentalwardfilm.com

Bemerkungen:

This entry was posted on Montag, Oktober 24th, 2005 at 19:46 and is filed under TEXTS.

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