GET A LIFE in der Ursula Blickle Stiftung

Get a Life

in der Ursula Blickle Stiftung Kraichtal
26.06. - 31.07.2005

PRESSETEXT von KATJA SCHRÖDER:
Leidenschaft ist Hingabe. Leidenschaft bedeutet Verausgabung, ohne auf einen unmittelbaren Mehrwert zu achten. Faszination wird hier zum Motor kreativer Prozesse. Leidenschaft und Faszination sind darum Kapital jedes wahren “Fans“.

Claus Richter arbeitet als Künstler, Forscher und ist selber Fan. Seine Leidenschaft gilt dem Sciencefictionfilm, dem Design, der Mode und den dort ins Bild gesetzten artifiziellen Welten. Fiktionen werden hier zu gelebten Fantasien – egal, ob es um die Entwicklung neuer Technologien und Trends geht oder persönliche Identitätsmodelle ausprobiert werden. Mehr noch als selber Fan zu sein, ist Claus Richter Fan der Fans. Diese Begeisterung verfolgt er in seiner künstlerischen Arbeit sowie in einer Dissertation, die er zurzeit an der Universität Klagenfurt erarbeitet. In seiner vielfältigen Produktionsweise bedient er sich unterschiedlicher Medien – er hat unter anderem eine Radioshow moderiert, Independent-Fanzines veröffentlicht, dreht Filme, schreibt für Modemagazine, inszeniert Performances und entwirft Kostüme.

Show und Spektakel sind vor allem in den Performances von Claus Richter (meist in Zusammenarbeit mit Oliver Husain und Sergej Jensen) integraler Bestandteil. Genauso wie im Genre Sciencefiction gilt es auf der Bühne bzw. am Filmset die Techniken des Effekts zu beherrschen. Richters wissenschaftliches Interesse an den Strategien inszenatorischer Verführung ist gepaart mit einer oft eigenwilligen Adaption von Kostümierungen und Showeffekten. Ebenfalls um eine Form der Aneignung handelt es sich, wenn er Requisiten aus Sciencefiction Klassikern wie z. B. „Blade Runner“ nachbaut und sie mit tatsächliche Funktionen ausstattet. Die sonst nur für Filmaufnahmen fabrizierten Gegenstände sind dann nicht länger nur visueller Effekt, sondern erhalten einen eigenständigen skulpturalen Charakter. In mühevoller Arbeit wird akribisch nachgeahmt und in Realität übersetzt, was nie wirklich existiert hat. In dieser Hinsicht gibt es ganz klare Parallelen zu einer großen Gemeinde von Fans, die in ihrer Freizeit ebenfalls Requisiten, Kostüme und ganze Raumausstattungen von Filmsets nachbauen. Und genau hier setzt auch das Forschungsinteresse von Claus Richter an. Nicht die Begeisterung für die Filme selbst ist Hauptthema seiner künstlerischen Arbeit, sondern das inszenatorische und schöpferische Potenzial – das Detailbesessene und das Überdrehte –, das die Begeisterung des Fans hervorbringt.

In der Ausstellung „Get a Life“ wird sich Claus Richter mit der Spannung zwischen Aneignungsstrategie und eigenständigem Schöpfungsprozess beschäftigen. In einer Installation, die das gesamte Haus der Ursula Blickle Stiftung einbezieht, wird er seine umfangreiche Studiensammlung zu diesem Thema präsentieren und dem Besucher Einblicke in die fantastischen bis absurden Welten einer sehr spezifischen Fankultur gewähren. Die Inszenierung des Forschungs- und Schöpfungsprozesses thematisiert er in skulpturalen, performativen und räumlichen Settings ebenso wie in einem Vortrag, in dem er am 31. Juli in der Ursula Blickle Stiftung Ausschnitte seiner Dissertation vorstellen wird.

Der Titel der Ausstellung „Get a Life“ (“Besorg’ dir ein Leben“), ist zweideutig zu lesen. In der Sciencefiction Fanwelt ist der Ausspruch zu einem geflügelten Wort geworden. “Get a Life“ war die hilflos entnervte Antwort, die William Shatner, Darsteller der legendären Figur “Captain Kirk“ aus „Star Trek“ auf die nicht enden wollenden Fragen von Fans nach seinen Erfahrungen als Sciencefiction Held gab. Gemeint ist damit, bei aller Begeisterung für fiktive Welten, das tatsächliche Leben nicht aus den Augen zu verlieren. Genauso implizit ist aber auch die Aufforderung, sich selbst ein alternatives (fiktives) Leben zu entwerfen. Denn bei der Aneignung fiktiver Welten geht es einerseits zwar um die Flucht vor einer realen Identität, andererseits aber auch darum, alternative Modelle zu erfinden.

Ein Gang durch die Ausstellung:
(zum Vergrößern Fotos klicken)

GROUND FLOOR:

Der erste Raum: Eine verchromte Laserkanone schießt Discolicht und Laser in den wandfüllenden Tanzspiegel des Tanzsaals
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dazu Strobos, Warnleuchten, Nebel und Discomusik:

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Erstes Bild in zweiten Raum:Bookparty ! (mit Spiegelung der nachgebauten Lampen des Bookparty- Raums)
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Das Set des zweiten Raums: Bookparty-Sofa mit Blick in den Garten
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Poster im Bookparty-Raum:
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Poster-Details:
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ERSTE ETAGE:

Sammlung Richter, Sci-Fi-Modelle und Pläne
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Studien-Zimmer (mit Material zum POWERLOADER-Fanzine)
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Details des Tisches:
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Im Studien-Zimmer: 3 Hologramme

erstes Hologramm: Bücherstapel mit Sci-Fi und Special-Effects-Fachliteratur
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zweites Hologramm: Display für das STUDIEN-Fanzine
Holo 02

drittes Hologramm: Eingeschlafen über dem STUDIEN-Fanzine
Holo 01

ZWEITE ETAGE:
Projektion: Ich als Elliott aus E.T. vor dem Haus von Elliott aus E.T. (San Fernando Valley Los Angeles)
Et 01-2

This entry was posted on Montag, Oktober 24th, 2005 at 21:45 and is filed under SHOWS.

One Response to “GET A LIFE in der Ursula Blickle Stiftung”

  1. » Blog Archive » Ein Besuch bei der NASA Says:

    […] Im April dieses Jahres war ich eine Zeitlang in Los Angeles, und als ich mit einem Freund ins San Fernando Valley gefahren bin, um vor dem Originaldrehort von “E.T.-Der Außerirdische” ein Foto für diese Ausstellung zu schießen (ganz runterscrollen, da ist es), kamen wir mehr oder minder zufällig am Jet Propulsion Laboratory der NASA vorbei, das auch noch mehr oder minder zufällig Tag der offenen Tür hatten. Das ist ein seltener Zufall, und hier gibt es nun einige Fotos unseres Besuchs: (zum Vergrößern klicken) […]

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